Wer Förderanlagen in Produktionshallen, Hochregallagern oder Logistikzentren betreibt, steht früher oder später vor einer entscheidenden Frage: Wie werden Brandabschnitte dort gesichert, wo Fördertechnik durch Wände oder Decken führt? Konventionelle Brandschutztore oder Feuerschutztüren scheiden hier aus, denn sie würden den laufenden Förderbetrieb unterbrechen. Die Antwort auf diese Herausforderung sind spezialisierte Förderanlagenabschlüsse, kurz FAA, also Feuer-Schutz-Abschlüsse im Zuge bahngebundener Förderanlagen. Diese Systeme erfüllen im Brandfall dieselbe Schutzfunktion wie herkömmliche Brandschutztore, sind jedoch konstruktiv auf die Anforderungen moderner Fördertechnik abgestimmt.
Ob in der Automobilindustrie, der Lebensmittelproduktion oder der Intralogistik: Überall dort, wo Fördersysteme Brandabschnitte durchqueren, sind Förderanlagenabschlüsse gesetzlich vorgeschrieben und technisch unverzichtbar. Der folgende Artikel erklärt, welche Lösungen es gibt, welche Anforderungen gelten und worauf Betreiber bei Auswahl, Einsatz und Wartung achten sollten.
Feuerschutzabschlüsse als Lösung für Förderanlagen
Förderanlagenabschlüsse sind spezialisierte Feuerschutzabschlüsse, die exklusiv für den Einsatz an bahngebundenen und pneumatischen Förderanlagen entwickelt wurden. Im Gegensatz zu klassischen Brandschutztoren verschließen sie Wandöffnungen im Brandfall automatisch und selbsttätig, ohne den regulären Förderbetrieb dauerhaft zu behindern. Im Normalbetrieb bleibt der Abschluss geöffnet oder in Bereitschaftsstellung, sodass die Fördertechnik ungehindert durch die Wand- oder Deckenöffnung laufen kann.
Die gängigen Systeme lassen sich nach ihrem Schließprinzip unterscheiden. Schiebeabschlüsse wie das abs EI SLIDE bewegen sich linear in die Schließposition, während Schwenkabschlüsse wie das abs EI SWING einen Rotationsmechanismus nutzen. Beide Prinzipien ermöglichen einen sicheren, selbsttätigen Verschluss der Öffnung im Brandfall und sind auf die Feuerwiderstandsklasse EI2 90 ausgelegt, was einem zuverlässigen Brandschutz von mindestens 90 Minuten entspricht. Ergänzend dazu stehen bewährte T90-Systeme nach allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung zur Verfügung.
Gesetzliche Anforderungen und Zulassungspflichten für FAA
Förderanlagenabschlüsse unterliegen strengen baurechtlichen Anforderungen, da sie als Bestandteil des baulichen Brandschutzes klassifiziert sind. In Deutschland müssen FAA über entsprechende Verwendbarkeitsnachweise verfügen, bevor sie eingesetzt werden dürfen. Diese Nachweise bestätigen, dass das jeweilige System die geforderte Feuerwiderstandsdauer unter definierten Prüfbedingungen erreicht.
Für den deutschen Markt sind folgende Zulassungsgrundlagen relevant:
- Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (AbZ): Zum Beispiel Z-6.6-1635 für T90-Systeme, ausgestellt durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt).
- Europäische technische Bewertung (ETA): ETA-16/0938 sowie ETA-25/0423 für EI2-90-Systeme nach europäischen Prüfnormen.
- VKF-Brandschutzanwendung: Für den Schweizer Markt gilt die VKF-Zulassung unter den Nummern 22765 und 22766, die auf den europäischen ETAs basieren.
Für Projekte mit besonderen oder ungewöhnlichen Anforderungen, die durch bestehende Zulassungen nicht abgedeckt werden, besteht die Möglichkeit einer Zustimmung im Einzelfall (ZiE). Diese wird bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde beantragt und erfordert eine detaillierte technische Dokumentation sowie in der Regel eine begleitende Prüfung durch eine anerkannte Prüfanstalt. Prüfinstitutionen wie die Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart, die Materialprüfanstalt der TU Braunschweig oder das ift Rosenheim sind in diesem Bereich anerkannte Stellen.
Einsatzbereiche: Wo FAA in der Industrie eingesetzt werden
Förderanlagenabschlüsse kommen überall dort zum Einsatz, wo Fördersysteme Brandabschnittsgrenzen durchqueren. Die Bandbreite der Anwendungen ist erheblich, da moderne Industriebetriebe eine Vielzahl unterschiedlicher Fördertechniken nutzen.
Bahngebundene und mechanische Fördersysteme
Zu den häufigsten Einsatzbereichen gehören Rollen-, Tragketten- und Gurtfördersysteme, wie sie in der Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie verbreitet sind. Ebenso werden Elektrohängebahnen, Kreiskettenförderer, Power-and-Free-Anlagen sowie Kratzkettenförderer mit Förderanlagenabschlüssen gesichert. In der Automobilindustrie spielen schienengebundene Fördersysteme eine besondere Rolle, da Karosserien und Baugruppen auf komplexen Hängeförderstrecken durch mehrere Brandabschnitte transportiert werden.
Pneumatische Fördersysteme
Für pneumatische Förderleitungen, etwa in der Pharmaindustrie oder der Lebensmittelverarbeitung, existieren speziell konstruierte FAA nach dem Prinzip der Lochverschiebung. Dabei ist ein Dichtsystem fest mit dem Absperrelement verbunden, das in Form und Maß dem Leitungssystem entspricht. Das ankommende und abgehende Leitungssystem wird beidseitig mittels Flanschen oder Rohrstutzen am Förderanlagenabschluss befestigt, sodass im Schließfall eine gasdichte Absperrung entsteht.
Logistik und Hochregallager
Besonders in automatisierten Hochregallagern und Distributionszentren sind Förderanlagenabschlüsse unverzichtbar. Hier durchqueren Behälterförderer, Schubbodenförderer oder vollautomatische Kommissioniersysteme regelmäßig Brandabschnittswände. Der vorbeugende Brandschutz dieser Anlagen ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern auch ein entscheidender Faktor für die Betriebskontinuität, da ein Brandschaden in einem automatisierten Lager zu wochenlangen Ausfällen führen kann.
Technische Merkmale moderner Förderanlagenabschlüsse
Moderne Förderanlagenabschlüsse zeichnen sich durch eine durchdachte Systemarchitektur aus, die weit über das reine Schließelement hinausgeht. Ein vollständiges FAA-System besteht aus dem eigentlichen Abschlusselement, der zugehörigen Steuerungsanlage sowie weiteren Komponenten für Freigabe, Überwachung und Notstromversorgung.
Steuerungskonzept und Modularität
Zeitgemäße Steuerungskonzepte setzen auf Dezentralisierung: Alle Steuerungskomponenten werden direkt vor Ort, also in unmittelbarer Nähe des Förderanlagenabschlusses, montiert. Zu einem vollständigen Steuerungssystem gehören typischerweise:
- Feststellanlage (z. B. abs-1810 mit allgemeiner Bauartgenehmigung Z-6.500-2515)
- Automatisches Freifahrmodul (AFM) zur kontrollierten Freigabe der Fördertechnik vor dem Schließvorgang
- Schließbereichsüberwachung zur Sicherstellung, dass kein Fördergut den Schließvorgang blockiert
- Notstromversorgung für Spannungsbereiche von 24 V bis 500 V
- Haftmagnete und Antriebselektronik am FAA-Antrieb selbst
Getrennte und ungetrennte Fördersysteme
Ein wichtiges technisches Unterscheidungsmerkmal ist die Frage, ob das Fördersystem im Schließbereich getrennt werden muss oder nicht. Bei getrennten Systemen muss die Fördertechnik im Schließbereich auf Lücke (mindestens 85 mm) getrennt sein oder durch eine Förderbahntrennvorrichtung oder ein Klappstück beim Schließvorgang getrennt werden können. Ungetrennte Systeme hingegen ermöglichen einen Schließvorgang, ohne dass die Fördertechnik physisch unterbrochen wird, was bei bestimmten Fördertechniken wie Kreisketten- oder Power-and-Free-Anlagen besonders relevant ist.
Wartung und Prüfpflichten für Brandschutzabschlüsse an Förderanlagen
Ein Förderanlagenabschluss ist kein wartungsfreies Bauteil. Wie alle sicherheitsrelevanten Einrichtungen des baulichen Brandschutzes unterliegen FAA gesetzlichen Prüf- und Instandhaltungspflichten, die Betreiber zwingend einhalten müssen.
Die regelmäßige Wartung dient dazu, die Funktionsfähigkeit des Systems dauerhaft sicherzustellen. Dazu gehören die Überprüfung der Schließfunktion, die Inspektion aller mechanischen und elektrischen Komponenten sowie die Dokumentation der durchgeführten Maßnahmen. In Deutschland verlangen die Landesbauordnungen und die Betriebssicherheitsverordnung eine regelmäßige Überprüfung sicherheitstechnischer Einrichtungen durch fachkundiges Personal.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Kombination aus mechanischen und elektrischen Komponenten, die in einem modernen FAA-System zusammenwirken. Feststellanlagen, Freifahrsteuerungen und Notstromversorgungen müssen ebenso geprüft werden wie das eigentliche Schließelement. Eine lückenhafte Dokumentation kann im Schadensfall zu haftungsrechtlichen Konsequenzen für Betreiber und Facility-Manager führen.
Darüber hinaus empfiehlt sich nach baulichen Veränderungen an der Förderanlage oder dem umgebenden Gebäude stets eine Überprüfung, ob der vorhandene Förderanlagenabschluss noch den aktuellen Anforderungen entspricht. Änderungen am Fördersystem, an der Wandkonstruktion oder an der Gebäudenutzung können dazu führen, dass bestehende Zulassungen nicht mehr greifen und eine Anpassung oder ein Austausch des FAA erforderlich wird.
Wie abs Sicherheitstechnik bei Brandschutz für Förderanlagen unterstützt
Als auf Förderanlagenabschlüsse spezialisierter Hersteller mit Erfahrung seit 1978 begleitet abs Sicherheitstechnik Betreiber, Planer und Bauunternehmen durch alle Phasen eines FAA-Projekts. Das Unternehmen bietet ausschließlich Lösungen rund um Förderanlagenabschlüsse und deren Steuerungstechnik, was eine außergewöhnliche Tiefe der Fachkompetenz ermöglicht.
Das Leistungsangebot umfasst konkret:
- Projektierung und Beratung: Technische Analyse der Fördertechnik und der baulichen Gegebenheiten, Auswahl des geeigneten FAA-Systems (SLIDE, SWING oder T90) sowie Klärung der erforderlichen Zulassungsgrundlagen
- Individuelle Sonderlösungen: Entwicklung und Fertigung maßgeschneiderter FAA für besondere Anforderungen, inklusive Begleitung von Prüfungen und Beantragung von Zustimmungen im Einzelfall (ZiE)
- Montage durch eigene Fachkräfte: Erfahrene Monteure führen die Installation vor Ort durch und gewährleisten eine fachgerechte Integration in die bestehende Fördertechnik
- Wartung und Service: Regelmäßige Prüfung und Instandhaltung aller mechanischen und elektrischen Komponenten des FAA-Systems
- Notstromversorgung: Lieferung und Einbindung von Notstromsystemen für Spannungsbereiche von 24 V bis 500 V
Wenn Sie planen, eine Förderanlage durch Brandabschnittswände zu führen, oder wenn bestehende Förderanlagenabschlüsse geprüft, gewartet oder ersetzt werden müssen, sprechen Sie abs Sicherheitstechnik direkt an. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und schildern Sie Ihr Projekt, damit ein technischer Spezialist die passende Lösung mit Ihnen erarbeiten kann.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Planung und Montage eines Förderanlagenabschlusses in der Regel?
Die Projektdauer hängt stark von der Komplexität der Fördertechnik und den baulichen Gegebenheiten ab. Standardlösungen mit vorhandenen Zulassungen können in wenigen Wochen geplant und montiert werden, während Sonderlösungen mit Zustimmung im Einzelfall (ZiE) mehrere Monate in Anspruch nehmen können – allein die Beantragung und Genehmigung der ZiE erfordert Zeit. Empfehlenswert ist daher, FAA bereits in der frühen Planungsphase eines Bauprojekts oder einer Anlagenerweiterung zu berücksichtigen.
Was passiert, wenn sich beim Schließvorgang noch Fördergut im Schließbereich befindet?
Genau für diesen Fall ist das Automatische Freifahrmodul (AFM) vorgesehen: Es sorgt dafür, dass die Fördertechnik im Schließbereich kontrolliert freigegeben wird, bevor der Abschluss zufährt. Ergänzend überwacht die Schließbereichsüberwachung, ob sich noch Objekte im Gefahrenbereich befinden, und verhindert so einen blockierten oder unvollständigen Schließvorgang. Betreiber sollten sicherstellen, dass diese Komponenten korrekt parametriert und regelmäßig geprüft werden, da ein nicht vollständig geschlossener FAA im Brandfall seinen Schutz nicht erfüllen kann.
Welche Feuerwiderstandsklasse benötige ich für meinen Förderanlagenabschluss – reicht EI2 90 immer aus?
Die erforderliche Feuerwiderstandsklasse wird durch das Baurecht, die Landesbauordnung und die Brandschutzkonzeption des jeweiligen Gebäudes vorgegeben – EI2 90 (90 Minuten) ist in vielen Industrieanwendungen die geforderte Mindestklasse. In Gebäuden mit besonderer Nutzung, erhöhten Personenzahlen oder speziellen Lagerrisiken kann die Bauaufsichtsbehörde jedoch höhere Anforderungen stellen. Es empfiehlt sich daher, das Brandschutzkonzept frühzeitig mit einem zugelassenen Brandschutzplaner abzustimmen, bevor ein FAA-System ausgewählt wird.
Wie oft muss ein Förderanlagenabschluss gewartet werden, und wer darf die Prüfung durchführen?
In der Regel schreiben die Landesbauordnungen und die jeweiligen Zulassungsgrundlagen eine jährliche Funktionsprüfung vor; einige Zulassungen fordern auch halbjährliche Inspektionen bestimmter Komponenten. Die Wartung muss durch fachkundiges Personal erfolgen, das mit dem spezifischen FAA-System vertraut ist – idealerweise durch den Hersteller selbst oder einen autorisierten Servicepartner. Alle durchgeführten Maßnahmen sind lückenlos zu dokumentieren, da diese Nachweise im Schadensfall haftungsrechtlich entscheidend sein können.
Kann ein bestehender Förderanlagenabschluss nachgerüstet werden, wenn die Förderanlage umgebaut wird?
Das ist möglich, aber nicht immer unkompliziert: Änderungen an der Fördertechnik – etwa ein neues Fördergut, eine veränderte Durchlauföffnung oder ein anderes Trägersystem – können dazu führen, dass die bestehende Zulassung des FAA nicht mehr greift. In solchen Fällen muss geprüft werden, ob eine Anpassung des vorhandenen Systems zulassungskonform möglich ist oder ob ein Austausch erforderlich wird. Wer Umbauten plant, sollte den FAA-Hersteller frühzeitig einbinden, um kostspielige Nacharbeiten oder Stillstandzeiten zu vermeiden.
Gibt es Förderanlagenabschlüsse auch für sehr große oder ungewöhnliche Öffnungsquerschnitte?
Ja – für Öffnungsquerschnitte, die durch Standardzulassungen nicht abgedeckt werden, können Sonderlösungen entwickelt und über eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) zugelassen werden. Spezialisierte Hersteller wie abs Sicherheitstechnik verfügen über die Erfahrung und die Fertigungskapazitäten, um maßgeschneiderte FAA für außergewöhnliche Abmessungen oder spezielle Fördertechniken zu entwickeln. Die ZiE-Beantragung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Hersteller, Bauherr und einer anerkannten Prüfanstalt.
Was sind die häufigsten Fehler, die Betreiber bei Förderanlagenabschlüssen machen?
Zu den häufigsten Fehlern zählen eine fehlende oder lückenhafte Wartungsdokumentation, die nachträgliche Veränderung der Fördertechnik ohne Überprüfung der Zulassungskonformität sowie die falsche Auswahl des FAA-Systems aufgrund unvollständiger Angaben zur Fördertechnik in der Planungsphase. Ebenfalls kritisch ist die Vernachlässigung der Notstromversorgung: Fällt im Brandfall die Spannungsversorgung aus und ist kein funktionsfähiges Notstromsystem vorhanden, kann der Abschluss unter Umständen nicht auslösen. Eine enge Abstimmung mit einem spezialisierten Hersteller von Beginn an minimiert diese Risiken erheblich.
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